Anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 gedachte der Deutsche Bundestag in der vergangenen Sitzungswoche den entsetzlichen Verbrechen des NS-Regimes.
Bei der Gedenkstunde sprach die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman, die auf ihrem TikTok-Kanal „TovaTok“ die Erinnerung an die Verbrechen wach hält. Friedman schilderte, wie sie mit nur fünf Jahren deportiert wurde und lernen musste: „Renn nicht! Sieh niemandem in die Augen! Versuch, unsichtbar zu sein!“ Sie überlebte die Gaskammern und den Todesmarsch, indem sie sich unter Leichen versteckte. „Ich gehöre zu der immer kleiner werdenden Zahl der Überlebenden“, sagte sie unter Tränen.
Doch Friedman warnte auch eindringlich vor neuem Antisemitismus. Sie berichtete, wie ihr Enkel seinen Davidstern auf dem Campus verstecken muss und ihre Enkelin aus dem Wohnheim ausziehen musste, weil sie angefeindet wurde. „Der Antisemitismus ist nicht verschwunden, er hat sich angepasst.“
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner mahnte: „Keine Lehre ist für immer gelernt.“ Jeder, der den deutschen Pass besitzt, hat die Würde des Menschen zu respektieren – „das ist kein Vorschlag zur Güte, das ist ein kategorischer Imperativ.“ An Migranten gerichtet sagte sie: „Wenn es dein Land sein soll, dann ist es auch deine Geschichte.“
Friedman lobte Deutschlands Erinnerungskultur, richtete aber auch einen Appell an die Abgeordneten: „Jetzt ist Ihre Chance, Ihr Land zurückzugewinnen.” Es ist ein Land, das gegen Antisemiten verteidigt werden muss. Bildung und Zivilcourage seien eine Verpflichtung. Der Bundestag dankte ihr mit stehenden Ovationen.
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