Mit der Konstituierung der Regierung vor einem Jahr ist auch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) entstanden. Der neue Ressortzuschnitt war ein bewusstes Signal: Forschung, Technologie und Raumfahrt gehören zusammen. Seitdem wurden zahlreiche Maßnahmen angestoßen, um Deutschlands Innovationskraft zu stärken und Forschung schneller in die Praxis zu bringen. Matthias Hauer MdB arbeitet als Parlamentarischer Staatssekretär gemeinsam mit Bundesministerin Dorothee Bär an diesen Zielen.
Das zentrale Vorhaben des ersten Jahres ist die Hightech Agenda Deutschland (HTAD) der Bundesregierung. Innerhalb der ersten 100 Tage wurde sie auf den Weg gebracht und mit ihr die deutsche Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik strategisch neu ausgerichtet. Dabei ist die HTAD mehr als ein Strategiepapier, denn sie ist mit zahlreichen Flaggschiffmaßnahmen unterlegt. Das Ziel ist klar: Deutschland wird in den entscheidenden Zukunftstechnologien Weltspitze sein. Sechs Schlüsseltechnologien stehen dabei im Fokus: Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien, Mikroelektronik, Biotechnologie, Fusion und klimaneutrale Energieerzeugung sowie Technologien für klimaneutrale Mobilität.
Dass die Stärkung der deutschen Innovationsfähigkeit konkrete Wirkung entfaltet, zeigt sich besonders eindrucksvoll in einem Bereich, in dem derzeit immer mehr Wertschöpfung entsteht: in der Raumfahrt. Mit den 5,4 Milliarden Euro, die Deutschland aus dem Bundeshaushalt bereitstellt, steigt der Beitrag um etwa 30 Prozent. Eine Rekordsumme, die unserem Land durch das „Geo-return-Prinzip“ wieder zugutekommt. Das große deutsche Engagement stärkt die europäische Raumfahrt entscheidend – sowohl finanziell als auch durch die von uns gezeichneten Programme. Damit macht die Bundesregierung klar: Deutschland gestaltet den Weltraum aktiv mit.
Wie wichtig die Raumfahrt für die nationale Sicherheit ist, hat die Bundesregierung im November mit der ersten Weltraumsicherheitsstrategie deutlich gemacht. Gemeinsam mit dem Bundesministerium der Verteidigung und dem Auswärtigen Amt wurde der strategische Rahmen für eine wehrhafte und resiliente Weltraumsicherheitsarchitektur geschaffen.
Souveränität entsteht aber nicht nur im All, sondern auch durch starke Wissenschaftsstandorte vor Ort – ganz konkret mit zwei neuen Leuchttürmen in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Mit der Gründung des Center for the Transformation of Chemistry (CTC) und des Deutschen Zentrums für Astrophysik (DZA) setzt Deutschland international neue Maßstäbe. Am CTC werden grundlegende Ansätze der Chemie neu gedacht, um nachwachsende Rohstoffe und Recycling in der chemischen und pharmazeutischen Industrie zu etablieren. Das DZA wird riesige Datenströme von Großteleskopen verarbeiten, Voraussetzungen für neue astronomische Instrumente schaffen und ein einzigartiges Untergrundlabor errichten. Mit beiden Zentren zeigt sich, dass Spitzenforschung in ganz Deutschland gelingt und einen Beitrag zum Strukturwandel leistet.
Spitzenforschung braucht Spitzenköpfe. Bereits im letzten Sommer wurde daher das 1.000-Köpfe-Plus-Programm auf den Weg gebracht. Deutschland bietet so den „besten Köpfen“ aus der ganzen Welt eine Karriereperspektive in der Wissenschaft sowie einen sicheren Hafen der Forschungsfreiheit. Gerade in Zeiten, in denen die Freiheit der Wissenschaft anderswo unter Druck gerät, ist das ein starkes Signal. Das Programm trifft den Bedarf und kommt genau zur richtigen Zeit: Seit Juli 2025 wurden bereits 286 Bewilligungen an Forscherinnen und Forscher aus 45 Ländern ausgesprochen – insbesondere aus dem MINT-Bereich.
Ein entscheidendes Projekt ist die Stärkung des Transfers als wichtiger Beitrag des BMFTR zur Wertschöpfung und zu wirtschaftlichem Wachstum in unserem Land. Aus den vielen exzellenten Ergebnissen der Grundlagenforschung sollen häufiger marktfähige Produkte und damit Wertschöpfung entstehen. Mit der neuen F.A.S.T.-Transferinitiative unterstützt das BMFTR Innovationsakteure und -ideen in unterschiedlichen Reifegraden – von der Orientierung bis zur Marktvorbereitung – durch bürokratiearme und innovative Verfahren.
Forschung soll im Alltag ankommen. Nirgends wirkt das so unmittelbar wie in der Gesundheitsforschung, die bereits deutlich gestärkt wurde und weiter ausgebaut wird.
So stärkt die Bundesregierung die Forschung zu geschlechtsspezifischen Aspekten in der Medizin, u. a. mit Förderrichtlinien zur Reduzierung des Gender Data Gap und zu Wechseljahren. Auch beim Thema Endometriose gibt das BMFTR der Forschung einen neuen Schub. Die Forschungsgelder wurden von 3,5 auf 8,5 Mio. Euro erhöht, damit diese oft unterschätzte Erkrankung, die bis zu 15 Prozent der Frauen betrifft, besser verstanden und bekämpft werden kann.
Welchen Unterschied eine starke Gesundheitsforschung im Leben der Menschen macht, zeigt auch der offizielle Start der Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen Ende Januar dieses Jahres. Viele Menschen in Deutschland können infolge von Long COVID oder ME/CFS nicht mehr am Alltag teilnehmen. Wirksame Behandlungen fehlen bislang. Mit der Dekade verfolgt das BMFTR von Beginn an ein paralleles Vorgehen: Krankheitsmechanismen verstehen und klinische Studien stärken. Insgesamt stellt das BMFTR 500 Mio. Euro in den kommenden zehn Jahren bereit. Das ist ein großer Sprung für die Forschung und eine echte Chance für die Betroffenen.
Das erste Jahr BMFTR war ein Jahr des Aufbruchs. Es wurden strategische Weichenstellungen vorgenommen und bereits zahlreiche Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag umgesetzt sowie weitere eingeleitet.